Ottilienkapelle Bräunlingen

 
Historisches
1723–1725 wurde auf Initiative des Pfarrers Franz Anton von Schlichte auf dem gleichnamigen Berg die barocke Ottilienkapelle erbaut Sie hatte eine Vorgängerin im sogenannten Käpele an der Hüfingerstraße neben dem alten Siechenhaus. Das Ottilienbild dieser Kapelle wurde in die neue Kirche übertragen, die somit zu einem gern besuchten Wallfahrtsort wurde.
 
Die Geschichte der Ottilienkapelle ist durch einen Wechsel von Zuwendung und Verfall bestimmt. Der Altar war ein Geschenk von Pfarrer Schlichte, das neue Ottilienbild am Altar eine Stiftung des Stadtschreibers J. B. Sartor 1727; die Skulpturen des Viehpatrons Wendelin und des Pestpatrons Rochus wurden 1732 während einer Viehseuche im Auftrag des Magistrats von Adam Winterhalter (Vöhrenbach), die der Heiligen Ottilie und Joseph von seinem Sohn Johann Michael Winterhalter geschnitzt. Die erste Bedrohung kam 1788 unter Joseph II. mit der Weisung, die Kapelle abzureißen. Dass dies nicht wie andernorts geschah, war das Verdienst des Magistrats, der gegenüber der vorderösterreichischen Regierung in Freiburg argumentierte, dass die Opfergelder auch in den Schulfonds flössen, dies also einem Anliegen der Aufklärung entspräche. So konnte sie nach kurzzeitiger Schließung bereits 1790 wieder zugänglich gemacht werden. Bereits 1812 und 1837 waren Reparaturmaßnahmen, 1861 die Ausbesserung von Altar und Bildern notwendig geworden. Angesichts des ruinösen Zustands war 1868 eine Herstellung der Ottilienkapelle einschließlich neuer Fenster erforderlich geworden, in deren Zusammenhang Lucian Reich (Hüfingen) die Deckengemälde der Kirchpatronin einbrachte. Bereits 1881 berichtete Pfarrer Metz dann wieder an den Katholischen Oberstiftungsrat, dass die „Ottilienkapelle ganz ruiniert“ sei. Mit den von ihm geschätzten Künstlern Josef Simmler und dem Bräunlinger Maler Carl Hornung wurde dann um 1900 die Ausstattung offensichtlich gründlich überarbeitet.  Eine Renovierung 1935 wurde ohne Genehmigung der zuständigen Stellen durchgeführt. Die 1936/1937 gestifteten Kreuzwegtafeln von K. Schleibner wurden 1987 entfernt. 1938 kam wiederum durch eine Stiftung eine Judas-Thaddäus-Figur aus der Werkstatt von Peter Valentin (Offenburg) in die Ottilienkapelle. Eine neue Glocke (Ton a‘‘, 445 mm, 63 kg) mit einem Josephsbild wurde 1976 in Heidelberg bei Schilling gegossen. Zuletzt wurde die Kapelle 2001 innen und außen unter anderem mit einer kompletten Neueindeckung gründlich renoviert.
 
Quelle: "Die Pfarrgemeinde Bräunlingen und ihre Kirchen" 1. Auflage 2018 ISBN 978-3-95976-121-5 Herausgeber: Katholisches Pfarramt Bräunlingen Autor: Prof. Dr. phil. Dr. theol. h.c. Hans-Otto Mühleisen
 
 
Patronat
Odilia (so der Name in ihrer Heimat), * um 660 im Elsass, † nach 723 im Kloster Niedermünster südlich von Straßburg, war eine Tochter des Herzogs Eticho und der Berswinde und gehörte in die familiäre Vorgeschichte des aus dem Elsass stammenden Papstes Leo IX.. Die Legende berichtet, dass ihr Vater, weil sie nicht der erwünschte Sohn und zudem blind war, sie nach der Geburt töten lassen wollte, die Mutter Berswinde sie aber retten konnte und durch eine Amme in das Kloster Palma – wohl das heutige Baume-les-Dames am Doubs – bringen ließ. Dort wurde Odilia das Augenlicht geschenkt, als der durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg sie taufte. Ihr jüngerer Bruder ließ sie nach Jahren wieder nach Hause holen, worauf der unzugänglich zornige Vater seinen Sohn so schlug, dass der tot niederstürzte; Odilia erweckte ihn wieder zum Leben und musste nun, da sie sich den machtpolitischen Heiratsplänen des Vaters widersetzte, abermals vor ihm fliehen. Der Vater verfolgte seine Tochter, da tat sich an der heutigen Kapelle St. Ottilien bei Freiburg im Breisgau ein Felsspalt auf, in dem sie sich verstecken konnte; herabstürzende Steine verwundeten den Vater schwer.
Nach Jahren besuchte Odilia den inzwischen schwer kranken Vater, der sich mit ihr versöhnen wollte; er ließ für Odilia um 690 das Kloster Hohenberg auf dem später nach ihr benannten Odilienberg an der Stelle eines ehemaligen keltischen Heiligtums und auf Resten einer frühen Burg des Adelsgeschlechts errichten. Odilie wurde erste Äbtissin des neuen Klosters. Da der Anstieg für Kranke zu beschwerlich war, ließ sie später am Fuß des Berges unweit einer heilkräftigen Quelle das Kloster Niedermünster mit einem Spital errichten. Vor ihrem Tod ergriff sie selbst den Kelch, nahm die Kommunion und starb.
 
Dargestellt wird sie als Äbtissin, oft mit zwei Augen auf einem Buch oder in Händen, mit einem Kelch oder einem Hahn. Das Buch gilt als Zeichen ihrer Klugheit, So sollen auch die Bischöfe von Straßburg bei ihr um Rat nachgesucht haben.
 
Odilia gilt als Patronin der Blinden und der Winzer sowie als Helferin gegen Kopf- und insbesondere Augen- und Ohrenleiden.
 
(nachÖkumenischem Heiligenlexikon)
 
Quelle: "Die Pfarrgemeinde Bräunlingen und ihre Kirchen" / 1. Auflage 2018 ISBN 978-3-95976-121-5 / Herausgeber: Katholisches Pfarramt Bräunlingen  / Autor: Prof. Dr. phil. Dr. theol. h.c. Hans-Otto Mühleisen
 
 
Gedenktag der Hl. Ottilia ist der 13. Dezember
 
 
Lourdesgrotte und Ölberg
Am Fuße der Ottilienkapelle befinden sich eine Lourdesgrotte und ein Ölberg.
 
An der Lourdesgrotte finden Maiandachten und am Skapulierfest die Übergabe der Skapuliermedallions an die Erskommunionkinder statt. Sie bietet mit ihren "Bänkle" in den Sommermonaten die Möglichkeit zur Kontemplation: Innehalten -  Beten - zur Ruhe kommen.
 
Auch an der Ölberggrotte steht ein "Bänkle" - zum Innehalten. An Gründonnerstag findet hier ein Teil der Betstunden statt.